Unbeugsame Herren 70

Seit Jahren zieht die ruhmreiche Medenmannschaft der Herren 70+ um ihren unerschrockenen Kapitän Mauritius hinaus in die Arenen des Tennisverbandes Nordrhein-Westfalen, um sich den Prüfungen zu stellen. Was andere als sportlichen Wettkampf bezeichnen mögen, ist für diese eingeschworene Schar ein Feldzug voller Entbehrungen, Schweiß und unvergesslicher Heldentaten. Unermüdlich wird trainiert. Kein Ball ist zu schnell, kein Platz zu weit, keine Wetterlage zu widrig, um die Krieger in Rot und Weiss von ihrer Mission abzubringen. 

Mit eiserner Disziplin und nahezu asketischer Hingabe schärfen sie ihre Schläge, stärken ihre Ausdauer und bereiten sich auf jene epischen Begegnungen vor, die Jahr für Jahr über Sieg, Niederlage und die Ehre des Vereins entscheiden.

Gewiss, die Götter des Tennissports haben ihre Gunst nicht immer in verschwenderischem Maße verteilt. Die Zahl der errungenen Siege mag bisweilen hinter dem gewaltigen Einsatz zurückbleiben. Doch wahre Größe bemisst sich nicht allein an Tabellenpunkten. Wahre Größe zeigt sich im unbeugsamen Willen, immer wieder aufzustehen, die Tennisschuhe zu schnüren und Seite an Seite in die nächste Schlacht zu ziehen. Denn diese Mannschaft kennt weder Resignation noch Kapitulation. Sie hält zusammen wie eine alte Bruderschaft, geschmiedet durch zahllose Matches, lange Fahrten und gemeinsame Triumphe ebenso wie durch ehrenvolle Niederlagen. Jeder Spieltag wird bestritten, als könnte er der letzte sein, jeder Punkt umkämpft, als hinge das Schicksal eines Königreiches von ihm ab.

Und über allem weht das Banner von Rot-Weiss – stolz, leuchtend und unübersehbar. „Rot-Weiss glorreich“ ist nicht bloß der Wahlspruch der Mannschaft, sondern ein Vermächtnis. Es ist die mutige Kampfansage an das behäbige Verwalten von Punkten, an verstaubte Taktiken und an das ängstliche Verharren hinter der Grundlinie. Stattdessen setzt diese Mannschaft auf Angriffslust, Herzblut und den Glauben daran, dass ein beherzter Vorstoß allemal ehrenvoller ist als ein zögerlicher Rückzug. 

So ziehen sie Jahr für Jahr hinaus auf die roten Sandplätze des Landes – älter an Jahren, doch jung an Kampfgeist, reich an Erfahrung und arm an Furcht. Mögen die Ergebnisse kommen, wie sie wollen: Der Ruhm gehört jenen, die antreten. Und in dieser Disziplin zählt die Mannschaft um Mauritius seit langem zur ersten Liga der Unbeugsamen.

Text und Collage: Hans-Jürgen Jansen

Unbeugsame Herren 70