Von Markus Lehnen
Neuer Coaching Staff, junger Kader, alte Ziele
Was seitdem geschah
Knappe Niederlagen machen ein Ausscheiden oft noch bitterer, das mussten die 1.Damen des KTHC in den letzten Jahren häufiger leidvoll erleben. So auch in der vergangenen Saison: Nach einer furiosen Hallensaison, bei der man erst im Finale gegen den Düsseldorfer HC den Kürzeren zog, spielte man sich im Frühjahr auch immer besser in eine insgesamt komplizierte Feldsaison. Tibor Weißenborn, der für ein Jahr die Nachfolge des langjährigen Cheftrainers Markus Lonnes angetreten hatte, führte sein Team zwar am Ende mit Platz acht nur soeben in die Playoffs, dort bot sein Team dem Hauptrundenprimus vom Mannheimer HC aber einen starken Kampf, verlor Spiel eins erst im Shoot-Out, zwang den MHC in ein entscheidendes Spiel drei und unterlag dort auch nur knapp mit 1:2 gegen die späteren Finalistinnen.
Im Sommer gab es dann aber einen weiteren mittelschweren Umbruch am Olympiaweg. Mit Co- Trainer Gero Leichenich (zum bayerischen Hockeyverband) und Teammanagerin Nicole Höllriegl verließen zwei langjährige Stützen den Staff der Kölnerinnen. Neu hinzu kam Cheftrainer Julian Tarres, der zuvor die 1.Damen des Clubs an der Alster trainiert hatte. Jan Zuther ist neuer Teammanager, Theo Wild unterstützt den 33-jährigen Tarres als Co-Trainer. Ebenso als solche agiert eine gute Bekannte beim KTHC, die langjährige Kapitänin Rebecca Grote kehrt nämlich in neuer Funktion zu den 1.Damen von Rot-Weiss Köln zurück.
Mit Lynn Krings und Felicia Wiedermann spielten im Sommer zwei Kölnerinnen bei der Feldhockey WM in Belgien und den Niederlanden, beide mussten sich dort aber mit dem etwas enttäuschenden 6.Platz zufriedengeben.
Julian Tarres, der neue Cheftrainer der KTHC Damen
Tarres kommt vom Club an der Alster an den Rhein, trainierte zuletzt zwei Jahre lang das Topteam aus dem Norden. In den letzten Jahren war er zudem viel beim DHB aktiv, kennt so zum Beispiel Pia Maertens schon länger. Wie er zum neuen Posten in Köln kam, erzählt er so:,,Ich wollte eigentlich ein Jahr Pause machen vom Bundesligahockey, aber es gab Mitglieder vom KTHC, die mir das Projekt hier über die nächsten Jahre vorgestellt haben, das hat mich gereizt. Viel auf die eigene Jugend setzen und ein junges Team über mehrere Jahre zu entwickeln. Das ist für mich in der jetzigen Phase meiner Trainerkarriere mega spannend.“
Zu- und Abgänge
Mit Antonia Lonnes (Münchner SC) sowie Emma Boermans und Jule Fischer (beide Karriereende) verließen drei langjährige Stützen der Domstädterinnen den Verein. Klara Berger schloss sich wie Lonnes dem MSC an, Stürmerin Charlotte von Hülsen wechselte zu Blau-Weiss Köln.
Mit dem großen Talent Lene Bunjes (20 Jahre, vom HTHC, Deutsche Meisterin 2025) verpflichtete Köln nur eine neue Spielerin aus der Liga, dafür zog man mit Valentine Buddenberg, Emma Delpiereux, Maja Özelli und Elisa Delanoy vier A-Juniorinnen in den Kader der 1.Damen hoch.
Aktueller Kader und Vorbereitung
Nach den Kaderveränderungen, aber gerade auch dem neuen Coachingstaff, bleibt es abzuwarten, wie stark Rot-Weiss in dieser Saison sein kann. Zwar wiegen die Abgänge schwer, mit Spielerinnen wie Kapitänin Paula Brux (die allerdings ab dem 11.10. wegen eines Auslandsaufenthalts fehlen wird), den Nationalspielerinnen Wiedermann und Krings, Torhüterin Lisa Höllriegl, Stürmerin Katharina Reuten oder der chilenischen WM-Teilnehmerin Fernanda Arrieta Mesias stehen aber exemplarisch auch noch jede Menge Leistungsträgerinnen der letzten Jahre für die KTHC-Damen auf dem Platz. ,,Der ganz klare Ansatz ist den Kader breiter aufzustellen und auf die Jugend zu setzen, aber das wird dauern. Die sind alle mega talentiert, aber ich erwarte, dass sie auch zum Erfolg des Teams beitragen, sie sollen nicht nur mitlaufen. Das ist für die Entwicklung der jungen Spielerinnen dann natürlich super, aber das braucht Zeit, sie müssen auch viel lernen“, erklärt Couch Tarres den Umbau des Kaders.
Und dann wäre da natürlich noch der heimliche Neuzugang des Sommers, Pia Maertens. Die langjährige Nationalspielerin kämpfte sich bereits am Ende der letzten Saison zurück in den Kader, konnte nun aber erstmals seit drei Jahren wieder eine volle Vorbereitung bestreiten und findet nun hoffentlich zu alter Form zurück. Die Saisonvorbereitung lässt laut KTHC-Cheftrainer Tarres durchaus darauf hoffen:,,Pia ist aktuell unsere Topscorerin in der Vorbereitung. Sie ist natürlich ein wahnsinnig wichtiger Teil dieser Mannschaft, war auch während ihrer Verletzungspausen immer beim Team. Jetzt sie wieder auf dem Platz und ich hoffe einfach, dass sie das genießen kann. Sie steckt so viel Arbeit in den Sport, um für ihr Team da zu sein.“
Modus und Ziele
Alles beim Alten bleibt beim Modus der 1.Bundesliga. 12 Teams, darunter die Aufsteiger von DSD Düsseldorf und TSV Mannheim, spielen zweimal jeder gegen jeden, bevor im Mai 2027 für die besten acht Teams die Playoffs starten und es für die schlechtesten vier Teams in den Playdowns um den Klassenerhalt geht. Das Final Four findet in diesem Jahr, wahrscheinlich am letzten Maiwochenende, in Hannover statt.
Die Ziele seines Teams setzt KTHC-Cheftrainer Julian Tarres durchaus hoch an:,, Unser Fokus gilt der Hinrunde. Als neues Team zusammenwachsen, Vertrauen aufbauen und möglichst viele Punkte sammeln. Über die Saison hinweg wollen wir junge Spielerinnen weiterentwickeln, den Grundstein für die Zukunft legen und das Final 4 erreichen.“
Die Hockey Bundesliga 2026/27
Schaut man auf die Liga stechen zwei Teams bei den Kaderveränderungen heraus. Nach der bitteren Niederlage im DM-Finale nach Shoot-Out gegen den Düsseldorfer HC verpflichte der Mannheimer HC gleich fünf neue Spielerinnen. Heraus sticht hierbei sicherlich die argentinische Weltmeisterin Juana Castellaro (21 Jahre) die beim WM-Sieg ihres Teams als Verteidigerin alle sieben Turnierspiele bestritt. Der Club an der Alster ging wie Titelverteidiger DHC einen anderen Weg und verpflichtete vor allem junge deutsche Spielerinnen. Mit gleich acht Neuzugängen, drei davon aus Australien, versucht DSD Düsseldorf die Klasse zu halten und fällt bei den Transfers schonmal auf.
Für Julian Tarres ändern die Kaderveränderungen allerdings wenig bei der Beantwortung der Frage nach den Topfavoritinnen dieser Saison, wobei er auch drei andere Teams auf dem Zettel hat:,,Aufgrund ihrer etablierten und hochklassigen Kader haben der DHC und der MHC die größten Titelchancen. Die Alster-Damen sind allerdings auch immer in der Lage sich für das Final Four zu qualifizieren. Auch der HTHC hat sich mit einer Mischung aus erfahrenen und jungen Neuzugängen prima verstärkt. Dazu muss ich sagen, dass die Investitionen vom DSD sehr interessant sind. Wir hatten ein Testspiel gegen sie, da war bei denen keine deutsche Spielerin auf dem Platz, das war internationales Tempo, wie ein Länderspiel. Wenn die sich einspielen und eine gemeinsame Spielidee finden, dann werden sie schwer zu schlagen sein.“
Zu sehen gibt es alle Spiele der Saison wieder auf der Streaming-Platform DYN und jede Woche ein Spiel gratis bei YouTube.
Der Bundesligastart
Los geht die Saison für die KTHC-Damen bereits am kommenden Samstag mit einem Heimspiel gegen den Harvestehuder THC. Anpfiff im REWE-Sportpark ist um 14.30 Uhr.
Weiter geht es anschließend mit einem Doppelwochenende vor heimischen Publikum, wenn am 26.09. die 1.Damen des MSC (Anpfiff 12 Uhr) und am 27.09. die 1.Damen des BHC (ebenfalls Anpfiff 12 Uhr) am Olympiaweg gastieren. Das erste Gastspiel folgt zu einem etwas ungewöhnlichen Termin, gegen die Nachbarn vom DSD Düsseldorf wird nämlich bereits am Donnerstag, dem 1.10. ab 19.30 Uhr gespielt. Spiele am 3.10. beim UHC Hamburg und am 4.10. beim Bremer HC beschließen einen vor allem durch die Anzahl der Spiele knackigen Saisonauftakt für die Kölnerinnen.
In eigener Sache
Wie Sie/Ihr seht schreibe ich wieder für den KTHC. Aufgrund meines Berufes wird dies jedoch nicht mehr so ausführlich geschehen wie in der Vergangenheit. So wird es von mir Vor- und Nachberichte auf die Feld- und Hallensaison der 1.Damen und Herren des KTHC geben. Ebenso sind kurze Fazits der Hinrunden 2026/27 sowie Vorberichte für die Rückrunde auf dem Feld geplant. Spielberichte in der alten Form würden dann auf jeden Fall bei möglichen Final Four Turnieren folgen, eventuell auch zu den Playoff-Viertelfinalspielen.
Fürs Erste wünsche Ich Ihnen/Euch aber erstmal viel Spaß mit der 1.Feldhockey Bundesliga Saison 2026/27 und den 1.Damen des KTHC viel Erfolg!
