Fazit KTHC 1.Herren Feldhockey Bundesligasaison 2021/2022

Defense wins Championships

Von Markus Lehnen

Ausgangssituation:
Beinahe unverändert ging der amtierende deutsche Meister im September in die neue Feldhockeysaison. Mit Vincent Kallrath, Valentin Esterhues, Lasse Mink und Moritz Zimmermann verlor Köln vier Nachwuchstalente, konnte dafür mit Frederik Nyström aber ein Toptalent von Uhlenhorst Mülheim an den Rhein locken. Dass beim großen Finale um die Feld DM im Juni Lasse Mink mit Polo Hamburg auf sein altes Team treffen würde, bei diesem aber nicht mehr André Henning an der Linie stehen würde, hätte allerdings im Spätsommer 2021 wohl niemand gedacht. Den hohen Anspruch machte der damalige KTHC Cheftrainer Henning damals bereits deutlich:,, Natürlich ist es das Ziel Platz eins in der Staffel zu erreichen und den Titel zu verteidigen. Dazu wollen wir um den EHL Titel an Ostern mitspielen und auch in der Halle in DM und Europokal vorne sein. Es gibt vier Titel, die wollen wir möglichst alle gewinnen und ich denke, dass meine Mannschaft auch das Zeug dazu hat.“

Hinrunde
In der Hinrunde lief bei den 1.Herren des KTHC alles nach Plan: Der Titelverteidiger gewann Spiel auf Spiel und bereits nach dem 5:2 Heimsieg gegen den Harvestehuder THC stand fest, dass das Team in der Feldhockey Bundesliga ein Jahr ohne Niederlage geblieben war. Erst am 24.10. riss die Serie und der KTHC verlor beim starken Mannheimer HC, womit das Team erstmals Punkte liegen ließ. Zum Abschluss des Jahres machten die Kölner aber mit einem 6:0 gegen Nürnberg das perfekte Heimspieljahr 2021 (neun Heimspiele, neun Siege) perfekt und siegten zum Jahresabschluss im Prestigeduell gegen Uhlenhorst in Mülheim mit 3:1. Mit 30 Punkten aus elf Spielen, der besten Offensive und der besten Defensive der Liga bestand kein Zweifel, welches das Team der Hinrunde war. In der Halle lief es zunächst ebenfalls super, doch beim Final Four in Düsseldorf schieden die Domstädter überraschend im Halbfinale gegen den Mannheimer HC aus und das 1.Saisonziel war verfehlt. Umso bitterer, da dies das letzte Rot-Weiss Spiel von Cheftrainer André Henning gewesen war, der im Anschluss den Posten des deutschen Nationaltrainers übernahm und Rot-Weiss nach überaus erfolgreichen sechseinhalb Jahren verließ. Auf ihn folgte sein bisheriger Co-Trainer Pasha Gademan, der mit Henning bereits die kanadische Nationalmannschaft bei Olympia in Tokio trainiert hatte und bereits seit Sommer 2020 im Coaching Staff des KTHC arbeitet.

Rückrunde und Playoffs
Mit neuem Cheftrainer startete der bereits für die Playoffs qualifizierte Titelverteidiger im April in das neue Feldhockeyjahr. Da für die Nationalspieler jede Menge Pro League Spiele gegen Südafrika, Frankreich und Spanien auf dem Programm standen, und dazu einige Spieler mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatten, legten die Kölner quasi einen Kaltstart in die Rückrunde hin. ,,Dieses Jahr haben wir die ersten drei Spiele gebraucht, um einen Rhythmus für die EHL zu finden. Der Fokus lag ganz klar darauf und die Jungs brauchten diese Spiele auch für die Vorbereitung“, beschreibt Pasha Gademan die ersten drei Spiele des Feldhockeyjahres. Dabei gelang sein KTHC Cheftrainerdebut durchaus, denn Köln siegte beim Club an der Alster, unter teilweise widrigsten  Wetterbedingungen, souverän mit 4:0. Es folgten allerdings ein enttäuschendes 0:0 beim späteren Absteiger SC Frankfurt 1880 und ein mühsamer 1:0 Heimsieg gegen einen ersatzgeschwächten Berliner HC.  Die Vorbereitung schien sich jedoch gelohnt zu haben, denn an Ostern beim Finalturnier der EHL in Amsterdam zeigte sich Rot-Weiss Köln klar verbessert und schlug zunächst im Viertelfinale das niederländische Topteam vom SV Kampong mit 2:1. Im Halbfinale machte man durch die beiden Doppelpacker Maximilian Siegburg und Christopher Rühr früh alles klar und zog mit einem 5:1 gegen den englischen Meister Surbiton HC souverän ins große Finale ein. Dort allerdings spielten die müden Kölner keine gute Partie und hatten gegen die bereits viel länger im vollen Saft stehenden niederländischen Meister vom HC Bloemendaal beim 0:4 keine Chance. ,,Das EHL Turnier lief überraschend gut, im Finale hat dann aber extrem wenig gepasst. Gegen einen absoluten Topgegner reichte unsere Verfassung da einfach noch nicht“, gibt sich KTHC Nationalverteidiger Johannes Große kritisch. Für Cheftrainer Gademan lag hierin auch der Hauptgrund für die anschließende 1:2 Heimniederlage gegen Polo, als Rot-Weiss erstmals seit April 2019 wieder im heimischen Rewe- Sportpark verlor:,, Das war insgesamt ein starkes Turnier von uns, danach war der Fokus aber leicht weg, wie man gegen Polo gesehen hat. Das musste auch so sein, da es extrem schwierig ist, wenn man mal mit, mal ohne Nationalspieler trainiert und zusammen nur so wenige Spiele und Trainingseinheiten hat. Treffen wir den Siebenmeter, verlieren wir allerdings auch das Spiel nicht.“
Das letzte Spiel der Hauptrunde gewann Köln, nach einer erneuten Länderspielpause, dann aber mit einer spielerisch guten Leistung beim TSV Mannheim und sicherte sich so ein weiteres Saisonziel, Platz eins in der Staffel (und gleichzeitig der Gesamtliga) nach der Hauptrunde.
Im Playoff Viertelfinale durften die KTHC Herren daraufhin zunächst beim 4.der Staffel B, dem alten Rivalen UHC Hamburg antreten. Die im Umbruch steckenden Hansestädter machten in Spiel eins ein klasse Spiel und führten in der 2.Halbzeit lange mit 2:1, ehe Youngster Fabio Seitz fünf Minuten vor Schluss ausgleichen konnte und Belgiens Nationaltorhüter Vincent Vanasch vier Penaltys zum Kölner Shoot-Out Sieg parierte. Beklagte Gademan bei guter Leistung hier noch die zu wenig erzielten Tore, so sah er zwei Wochen später, dazwischen stand einmal mehr ein Pro League Wochenende an, eine ,,sehr gute“ Leistung beim souveränen 3:0 Heimsieg, der den KTHC auf schnellsten Wege ins Final Four nach Bonn brachte. Dort konnte ein lange bestehender Rückstand im Halbfinale gegen den HTHC Köln ebenso wenig aufhalten, wie im Finale gegen Polo Hamburg (mit eben Lasse Mink) eine Unterzahl und Strafecke gegen sich, bei nur noch sieben zu spielenden Minuten. Vielmehr schlug die Stunde der Spieler, die man nicht zu allererst nennt, denkt man an die spielentscheidenden Rot-Weiss Spieler. Außenverteidiger Kai Aichinger, der im Schlussviertel zum erlösenden 1:1 gegen Harvestehude traf und der immer mal wieder nicht im Kader stehende Florian Adrians, der das goldene Tor im Finale erzielte, wurden in Bonn zu zwei ganz entscheidenden Faktoren beim alten und neuen deutschen Feldhockey Meister Rot-Weiss Köln. ,,Bei uns sind dann vermeintliche Rollenspieler wie Flo Adrians und Kai Aichinger halt da, wenn es die anderen einmal nicht entscheiden. Das spricht für unseren Teamgeist, bei uns kommt es auf alle an. Das Verhältnis zwischen individueller Klasse und Teamgeist passt einfach, weswegen jede Trainingseinheit mit den Jungs auch so viel Spaß macht“, lobt Johannes Große die ganze Mannschaft. Meistertrainer Gademan, der direkt nach dem Spiel auch den Anteil von André Henning am Titel hervorhob, lobt aber auch explizit seine Starspieler Christopher Rühr und Mats Grambusch:,, Ich hatte immer Vertrauen in die Jungs, in alle. Mats und Christopher möchte ich aber nennen, sie haben beim Final Four vielleicht nicht so oft getroffen wie sonst, aber sie waren beide da, als es drauf ankam. Mats war im Finale richtig stark und Christopher war super diszipliniert, das ist so extrem wichtig in solchen Spielen. Als wir Freitag im Hotel zusammenkamen, da war die Stimmung so gut, dass ich ein super Gefühl hatte. Die Jungs waren entspannt, aber fokussiert. In einer Best of Three Serie hätte uns dieses Jahr eh kein Team der Bundesliga schlagen können, davon bin ich überzeugt. In zwei KO Spielen kann dagegen immer etwas passieren, der HTHC und Polo haben auch richtig gut gespielt, mit etwas Pech kannst du da auch jeweils verlieren. Aber eigentlich hatte ich Freitag wirklich bereits das Gefühl, dass wir das schaffen.“

Statistik:
Tabelle: Staffel A Platz 1, 40  Punkte, 61:15 Tore Gesamttabelle: 1.Platz
In der Liga 5. Beste Offensive und Beste Defensive nach der Hauptrunde
Torjäger: 1. Christopher Rühr 13 Tore  2. Elian Mazkour 11 Tore  3. Mink van der Weerden 10 Tore

Das war gut
Das augenscheinlichste beschreibt Innenverteidiger Johannes Große am besten selbst:,, In der Defensive standen wir natürlich extrem gut da, hatten mit Vince (Anm. d. Autors: Vanasch) dazu einen extrem starken Keeper. Es ist kein Zufall, dass wir die letzten beiden DM Finals zu Null gewonnen haben. Die Gegner mussten schon sehr konsequent sein, um gegen uns zu treffen.“ Pasha Gademan hebt dazu die extrem starke Eckenverteidigung hervor und in der Tat war diese z.B. bereits ein Schlüssel zum Viertelfinalsieg in der EHL gegen Kampong. Am deutlichsten wurde sie aber mit dem 1:0 Siegtreffer im Finale um die DM, als Timur Oruz Sekunden vorher mit Kane Russell einem der besten Eckenschützen der Welt dabei den Ball stahl und so den Konter zum goldenen Tor einleitete. Mit Youngster und U21 Vizeweltmeister Antheus Barry steht dazu gleich der nächste Topspieler für die 1.Welle parat. Köln kassierte dazu in der kompletten Saison inkl. Playoffs mit 18 Gegentreffern zehn weniger, als der Mannheimer HC nur in der Hauptrunde kassierte und was dort den 2.besten Wert darstellte.
Offensiv taucht zwar keiner der KTHC Spieler im Torjägerranking unter den Top fünf auf, 16 verschiedene Torschützen sind aber der Bestwert der Liga und zeugen von einer extremen Breite im Kader.

Das war nicht gut
Gerade in der Rückrunde und in den Playoffs bekam Köln etwas Probleme mit dem eigenen Tore schießen. In den fünf Rückrundenspielen, die wie beschrieben aus den unterschiedlichsten Gründen problematisch waren, rutschte man in dieser Kategorie vom 1.auf den 5.Platz ab. ,,Wir hatten da schon Probleme Tore zu machen. Wir kamen zwar oft in den Schusskreis, aber bekamen es dann oft nicht zu Ende gespielt. Bei der offensiven Ecke war der Rhythmus eigentlich okay, aber es war alles nicht so top. Wir haben auch nicht nur zu wenige Tore nach Ecken gemacht, wir haben auch zu wenige rausgeholt“, bestätigt Cheftrainer Gademan diese Schwäche seines Teams seit April. Johannes Große sieht die Rückrundenoffensive folgendermaßen:,, In der Hinrunde waren wir offensiv noch die Besten. Klar, ärgern mich die schlechteren Werte auch etwas, aber zumindest kamen wir in den Kreis und holten Ecken raus. Eine höhere Quote ist natürlich immer besser, aber ich glaube in der etwas holprigen Rückrunde haben uns in der Offensive die Umstände auch nicht gerade geholfen.“ Als erneuter deutscher Meister sollte klar sein, dass es sich so oder so um Jammern auf hohem Niveau handelt.

Fazit
Mit dem insgesamt 10.Meistertitel hat Rot-Weiss Köln das größte Saisonziel erreicht, und somit in der Feldsaison die gesteckten Ziele vollumfänglichen erfüllt. Platz eins in Staffel eins war dabei nie ernsthaft gefährdet, auch wenn Polo Hamburg bis zum Schluss dranblieb und deswegen auch nicht überraschend im DM Finale stand. Bei der EHL kassierte das Team von Cheftrainer Pasha Gademan zwar eine bittere Finalpleite, spielte aber am Ostermontag um den Europokaltitel. Lediglich in der Halle enttäuschten die KTHC Herren mit einer schwächeren Halbfinalperformance, bei der allerdings auch MHC Torhüter Jean Danneberg einen Traum Tag erwischte. Wie gut, dass Danneberg in der kommenden Saison das Trikot von Rot-Weiss trägt. Insgesamt gewann  Köln 16 von 20 Saisonspielen (das Shoot-Out in VF Spiel eins gegen den UHC zählt offiziell als Unentschieden), was eine grandiose Siegquote von 80% ergibt. Mit 0:2 beim MHC und 1:2 gegen Polo kamen die einzigen Saisonniederlagen nicht nur äußerst knapp zu Stande, sie passierten auch gegen extrem starke Gegner, die nicht umsonst ebenfalls beide fürs Final Four qualifiziert waren. Daher kann es kaum zwei Meinungen darüber geben, dass diese Meisterschaft für die KTHC Herren verdient und folgerichtig ist, denn wie der legendäre Football Trainer Paul ,,Bear“ Bryant einst sagte:,, Defense wins Championships.“

Ausblick:

Anders als bei den Damen, steht für die Herren die Weltmeisterschaft erst im Januar 2023, dann in übrigens nach 2019 erneut in Indien, auf dem Programm. Nach den zwei ausstehenden Pro League Spielen gegen die Niederlande in Hamburg-Wellingsbüttel geht es auch für die Nationalspieler des KTHC in die wohlverdiente Sommerpause. Da fast alle auch in der Halle spielten, haben diese im Grunde seit der Olympiavorbereitung durchgespielt und eine Pause nicht nur verdient, sondern sicher auch nötig. In der neuen Saison stoßen mit den beiden U21 Vizeweltmeistern Jean Danneberg (Tor, vom Mannheimer HC bzw. nach dem Rauswurf dort von Tec Darmstadt) und Aron Flatten (Mittelfeld, vom Münchner SC) zwei weitere Supertalente zum prominent besetzten KTHC Kader. Mit Youngstern wie Frederik Nyström, Leon Lindemann, Ole Boelke, Luis Höchemer und den bereits etablierten Fabio Seitz und Antheus Barry drängen viele junge Spieler nach vorne zu den Platzhirschen um die aktuellen A- Nationalspieler, wodurch die Qualität des Kaders sicher nicht schlechter werden sollte. ,, Antheus und Fabio haben sich ganz stark entwickelt, aber auch in Spieler wie Ole und Luis haben ich vollstes Vertrauen und hätte sie schon diese Saison jederzeit einsetzen können. Insgesamt kann natürlich noch etwas beim Kader passieren, aber wir haben schon eine tolle Truppe. In den beiden DM Finals und dem EHL Finale haben fast genau dieselben Spieler gespielt, ich möchte daher weiter mit der möglichst gleichen Truppe spielen. Natürlich wollen wir die EHL nächstes Jahr gewinnen und ein 3.Meistertitel in Serie wäre etwas ganz außergewöhnliches. Aber, dafür müssen wir auch nächste Saison wieder jeden einzelnen Tag hart arbeiten“, beschreibt Gademan die Kadersituation und die Ziele in der kommenden Saison. Auch Johannes Große ist noch lange nicht satt:,, Es wird wieder das Ziel sein möglichst viele Titel zu gewinnen. Nächstes Jahr wollen wir uns dann auch den Europapokal holen, da brauchen wir gar nicht drum herum zu reden. Das ist bei Rot-Weiss so, wir wollen immer den maximalen Erfolg.“
Ob ein Meisterhattrick in der Bundesliga, oder bzw. und der große Triumph in der EHL gelingt wird dann, wie gewohnt, ab Ende August/ Anfang September entschieden, wenn alle Bundesligateams wieder bei 0 starten.
Ein großes Dank von mir geht an dieser Stelle noch an die Spieler sowie die Coaches Henning und Gademan, dafür dass ihr mir nach jedem Spiel, auch nach Niederlagen, so bereitwillig und immer nett meine vielleicht auch mal blöden Fragen beantwortet habt. Ein besonderer Dank geht an die Cheftrainer André Henning und Pasha Gademan sowie die Spieler Mats Grambusch und Johannes Große, die ich während der ganzen Saison jederzeit telefonisch befragen konnte und ohne die sämtliche Vorschauen und einige Spielberichte in dieser Form nicht möglich gewesen wären.
Ebenso möchte ich mich bei allen Lesern bedanken, denn hiermit verabschiede auch ich mich in die Sommerpause. Vielen Dank für die Treue!


Fazit KTHC 1.Herren Feldhockey Bundesligasaison 2021/2022